Vorbilder

Ich möchte gerne unperfekte Vorbilder für Angehörige von Menschen mit Behinderung.

In die Medien kommen oft Menschen mit „geistiger“ Behinderung, die herausragen. Und deren Angehörige ebenfalls. Das soll Mut machen (so wurde mir einmal von der Süddeutschen beteuert), aber wem eigentlich? Vielleicht den hochbegabten Menschen mit Behinderung und den hochbegabten Angehörigen. Bestimmt nicht den Angehörigen, die sich durch den Alltag wursteln, einigermaßen zurechtkommen und ihr unperfektes Kind ohne Schulabschluss in Aussicht, ohne Sonderbegabung, vielleicht nicht einmal richtig des Sprechens (geschweige denn des Schreibens) mächtig, liebevoll durchs Leben bringen? Die ihr Kind nicht nur ertragen, sondern akzeptieren, immer wieder auch dessen besondere Kraft wertschätzen? Denn es kostet Kraft, sich vom Anspruch des (positiv) Besonderen zu befreien.

Susanne Hartwig